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Otto Ritschl

Erfurt 1885 - Wiesbaden 1976


Nach seiner frühen schriftstellerischen Tätigkeit, widmet sich Otto Ritschl im Jahr 1918 den ersten malerischen Versuchen. Die ersten Werke des Künstlers sind von abrupten stilistischen Umbrüchen geprägt. Nach der expressionistischen Schaffensphase, orientiert an Oskar Kokoschka, wendet sich Ritschl 1920 sozialkritischen Darstellungen zu, die ihn in die Nähe der "Neuen Sachlichkeit" rücken. Fünf Jahre später bricht Otto Ritschl auch mit dieser Ausdrucksform. Folgend setzt er sich mit der Kunst Max Ernsts und der Pariser Schule auseinander.
Von Wiesbaden aus, wo der Künstler bereits seit 1908 lebt, reist er zwischen den Jahren 1927 bis 1930 häufiger nach Paris. Die spätkubistisch und surrealistisch beeinflussten abstrahierenden Symbolformen der 1930er Jahre beherrschen seine Bilder der Nachkriegszeit bis in die 1950er Jahre hinein, wobei direkt nach 1945 vor allem das Schaffen Pablo Picassos nachklingt. Ab 1954 vertiefen sich die Formen, die bis dahin ihren Ausdruck noch aus dem weich bewegten Zusammenspiel mit der frei beweglichen Linie gezogen hatten. Geometrisches Vokabular führt zu einer strengeren Organisation der Komposition, während Otto Ritschl gleichzeitig auf malerische Faktur und von farblichen Nuancierungen absieht. Der Künstler steht somit als Gegenspieler der zeitgleichen Tachisten zusammen mit Leo Breuer in der Nähe der französischen Konstruktivisten, mit denen er auch ausstellt.
In den Jahren 1955 und 1959 nimmt der Künstler an der "documenta" in Kassel teil. Durch den Tod seiner Frau im Jahr 1958 verändern sich die formalen Akzente von Otto Ritschls Kunst. So lösen sich die Farben aus ihrer strengen Ordnung und schweben in inselartigen, großzügigen Scheiben vor getöntem Grund, um gegen 1960 eigenständiges Element monochromer Meditationsbilder zu werden. Seine Kompositionen widmet der Künstler fortan den Themen des Werdens und Entstehens, um wirkende Kräfte und Energien sowie Schöpfung und Meditation. Für die Darstellung dieser abstrakten Ideen bleibt die diffus verschwimmende Umrisslinie der Farbfelder weiterhin wesentliches Bildelement, sowie für die dynamischen, wolkenähnlichen Formen zwischen den Jahren 1963 und 1968, als auch für die wieder gefestigten, pulsierenden Farbballungen des Spätwerks.
Otto Ritschl verfasst anlässlich einer Ausstellung in München zum 85. Geburtstag im Jahr 1970 seine "Biografischen Notizen". Der Künstler stirbt am 1. Juli 1976 in Wiesbaden.


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